
Giardien hören sich im ersten Moment bedrohlich an und viele zukünftige Adoptanten erschrecken, wenn sie den Begriff zum ersten Mal hören. Doch wer gut informiert ist, merkt schnell, dass eine Infektion zwar lästig, aber sehr gut behandelbar ist.
Besonders im Tierschutz sind Giardien keine Seltenheit. Das liegt weniger an mangelnder Hygiene, sondern daran, dass viele Tiere vor der Rettung unter Stress stehen, geschwächt sind oder in großen Gruppen leben. In diesem
Artikel erfährst du, was Giardien genau sind, wie sie übertragen werden, wie eine Behandlung abläuft und warum ein positiver Befund kein Grund zur Sorge sein muss.
Was sind Giardien eigentlich?
Giardien sind winzig kleine Einzeller, die sich im Dünndarm von Hunden, Katzen und auch Menschen ansiedeln können. Sichtbar sind sie nicht, doch sie können den Darm reizen und zu Verdauungsbeschwerden führen. Viele Tiere tragen Giardien in sich, ohne jemals Symptome zu zeigen. Besonders junge, geschwächte oder gestresste Tiere reagieren empfindlicher und entwickeln eher Beschwerden.
Warum treten Giardien im Tierschutz häufiger auf?
In Tierheimen, Sheltern oder großen Gruppen können sich Giardien leichter verbreiten. Tiere teilen sich Wasserstellen, Näpfe oder ruhen eng beieinander. Dazu kommt der Stress, der das Immunsystem schwächt. Auch wechselnde Witterung, verunreinigte Böden oder stark frequentierte Ausläufe spielen eine Rolle. Für Tierschutztiere ist ein positiver Test daher nichts Ungewöhnliches.
Wie stecken sich Hunde und Katzen mit Giardien an?

Giardien werden hauptsächlich über den Kot eines infizierten Tieres übertragen. Ein winziger Kontakt genügt und die Parasiten gelangen in den Verdauungstrakt des nächsten Tieres.
Typische Übertragungswege:
● gemeinsamer Wassernapf
● verschmutzte Pfoten oder Fell
● Schnüffeln an belastetem Boden
● Enge Gruppenhaltung
● Kontakt mit Kot im Freien
Viele Tiere infizieren sich draußen, ganz unabhängig davon, ob sie aus dem Tierschutz stammen oder nicht.
Welche Symptome können auftreten?
Nicht jedes Tier zeigt Beschwerden. Manche leben jahrelang mit Giardien, ohne dass es bemerkt wird. Bei anderen treten typische Magen-Darm-Symptome auf.
Häufige Anzeichen:
● weicher oder breiiger Kot
● gelegentliche Durchfall Episoden
● Bauchgeräusche
● Blähungen
● seltener Erbrechen
● leichter Gewichtsverlust
Der Kot kann hell, übelriechend oder schlierig sein. Manchmal wechseln sich normale und weiche Kotphasen ab. Besonders junge Tiere zeigen schneller Beschwerden, weil ihr Immunsystem noch nicht so stark ist.
Wie werden Giardien diagnostiziert?
Die sicherste Methode ist eine Kotuntersuchung. Da Giardien nicht in jeder Probe nachweisbar sind, wird oft eine Sammelprobe über drei Tage empfohlen. Ein Tierarzt kann sowohl einen Schnelltest als auch eine Laboruntersuchung
durchführen. Ein positiver Befund bedeutet nicht automatisch, dass das Tier schwer krank ist. Er zeigt lediglich, dass Giardien vorhanden sind. Der Tierarzt entscheidet gemeinsam mit dir, ob eine Behandlung nötig ist oder ob das Immunsystem bereits selbst gut damit zurechtkommt.
Behandlung von Giardien

Die gute Nachricht lautet: Giardien lassen sich sehr gut behandeln. Es gibt mehrere wirksame Medikamente, die je nach Tierarzt und Tier unterschiedlich eingesetzt werden. Häufig wird für einige Tage ein Antiparasitikum gegeben, manchmal in zwei Runden mit einer Pause dazwischen.
Unterstützende Maßnahmen während der Behandlung Die Medikamente wirken zuverlässig, doch zusätzliche Maßnahmen erleichtern die Behandlung.
Ernährung: Eine leicht verdauliche Kost entlastet den Darm. Viele Tierärzte empfehlen einige Tage Schonkost, bis sich die Verdauung stabilisiert hat.
Hygiene im Haushalt: Giardien sind hartnäckig, lassen sich jedoch mit etwas
zusätzlicher Reinigung gut eindämmen.
Hilfreiche Maßnahmen:
● Näpfe täglich heiß auswaschen
● Liegeplätze regelmäßig reinigen
● Kot zeitnah entfernen
● Hände nach Kontakt gründlich waschen
Übertriebene Sterilität ist jedoch nicht nötig. Eine gründliche, aber normale Hygiene reicht vollkommen aus. Weitere tierärztliche Informationen findest du bei der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz.
Müssen sich Adoptanten Sorgen machen?
Viele Adoptanten erschrecken, wenn sie zum ersten Mal hören, dass ein Hund oder eine Katze Giardien hat. Doch Panik ist absolut unnötig. Viele Vereine testen vor der Ausreise routinemäßig auf Giardien und selbst wenn ein Test positiv ist, bedeutet das nicht, dass das Tier nicht reisen darf. In den meisten Fällen handelt es sich um eine milde und gut behandelbare Infektion.
Warum Giardien kein Ausschlusskriterium sind:
● Sie sind in Europa sehr weit verbreitet
● Sie lassen sich gut behandeln
● Viele Tiere zeigen keinerlei Symptome
● Ein positiver Befund sagt nichts über die Lebensqualität eines Tieres aus
Wer gut informiert ist, fühlt sich sicherer und kann ruhig an die Behandlung herangehen, falls sie nötig wird.
Können Menschen sich anstecken?
Theoretisch ja, praktisch jedoch eher selten. Die Giardien, die Hunde und Katzen tragen, sind für Menschen meist wenig infektiös. Besonders gefährdet sind Babys, ältere Menschen oder Personen mit schwachem Immunsystem.
Gute Handhygiene reicht aus, um das Risiko zu minimieren.
Wie kann man Giardien vorbeugen?
Eine vollständige Vorbeugung ist kaum möglich, denn Giardien kommen überall
in der Umwelt vor. Dennoch kannst du das Risiko reduzieren.
Praktische Tipps:
● saubere Trink- und Futternäpfe
● regelmäßige Reinigung von Schlafplätzen
● hochwertiges Futter für ein starkes Immunsystem
● regelmäßige Kotkontrollen bei empfindlichen Tieren
Tiere aus dem Tierschutz profitieren davon, wenn nach der Ankunft eine Kotprobe untersucht wird. So lässt sich frühzeitig feststellen, ob Handlungsbedarf besteht.
Was Adoptanten wissen sollten
Ein positiver Giardien Test bedeutet nicht, dass dein zukünftiges Familienmitglied krank oder „schwer zu halten“ ist. Giardien sind eher ein kleines, lästiges Alltagsproblem, das die meisten Tiermenschen irgendwann einmal erleben.
Entscheidend ist, ruhig zu bleiben und sich gut beraten zu lassen. Wir begleiten Adoptanten durch die Behandlung, geben Tipps zur Hygiene und unterstützen bei der Kommunikation mit dem Tierarzt. Mit Geduld und der richtigen Behandlung verschwinden die Beschwerden meist sehr schnell.
Fazit zu Giardien
Giardien gehören im Tierschutz leider zum Alltag, doch mit der richtigen Behandlung und etwas Wissen verlieren sie schnell ihren Schrecken. Die Infektion ist unangenehm, aber gut behandelbar und absolut kein Grund, sich
gegen ein Tier zu entscheiden.
Wichtig ist, informiert und gelassen zu bleiben. Wer die Symptome kennt, weiß, wie eine Behandlung abläuft und worauf man im Haushalt achten kann, fühlt sich sicherer und gut vorbereitet. Ein Tier mit Giardien braucht keine Angst auszulösen, sondern nur ein Zuhause, das ihm Zeit, Ruhe und liebevolle Unterstützung gibt.