Transparenz in der Katzenvermittlung aus dem Ausland
Als Tierschutzverein, der Katzen aus dem Ausland vermittelt, ist uns eines besonders wichtig: Vertrauen und Offenheit gegenüber den zukünftigen Adoptant:innen. Dazu gehört auch, medizinische Themen verständlich zu erklären – vor allem, wenn es um FIV (Felines Immundefizienzvirus) und FeLV (Feline Leukämievirus) geht. Diese beiden Virusinfektionen sorgen häufig für Unsicherheit – und leider auch für viele Missverständnisse.
Deshalb möchten wir in diesem Artikel informieren, beruhigen und Klarheit schaffen.

Was sind FIV und FeLV überhaupt?
FIV – das sogenannte „Katzen-AIDS“
- Nicht auf Menschen übertragbar!
- Wird hauptsächlich durch tiefe Bisswunden übertragen (z. B. bei unkastrierten, kämpfenden Katern).
- FIV-positive Katzen können jahrelang symptomfrei leben und ein ganz normales Katzenleben führen.
- Sie sind in der Regel nicht ansteckend bei friedlichem Zusammenleben mit anderen Katzen.
FeLV – Feline Leukämievirus
- Wird durch Speichel, Nasensekret, gemeinsame Näpfe, Putzen etc. übertragen.
- Das Virus kann das Immunsystem stark schwächen und zur Tumorbildung führen.
- Viele Katzen entwickeln über Jahre keine oder nur milde Symptome, andere können jedoch schwer erkranken.
- FeLV ist ansteckender als FIV – besonders in Gruppenhaltung oder draußen.

Warum testen wir unsere Katzen?
Wir lassen unsere Auslandskatzen vor Ausreise in der Regel auf FIV und FeLV testen – aus Verantwortung gegenüber den Adoptant:innen und eventuellen anderen Katzen im Haushalt. Wichtig ist uns dabei:
- Transparenz: Auch wenn ein Test positiv ausfällt, wird das offen kommuniziert.
- Verantwortung: Wir prüfen im Vorfeld, ob und wie eine positive Katze in einen passenden Haushalt vermittelt werden kann.
- Richtige Einordnung: Ein positiver Test ist kein Ausschlusskriterium, sondern ein Hinweis für eine gut informierte Vermittlung.
Was bedeuten die Testergebnisse?
- Negativ: Kein Nachweis des Virus – aber es gilt: nur eine Momentaufnahme! Eine frische Infektion könnte noch nicht nachweisbar sein.
- Positiv: Es wurden Antikörper (bei FIV) oder Viren (bei FeLV) gefunden.
→ Ein zweiter Test einige Wochen später oder ein PCR-Test im Heimatland oder nach Ankunft in Deutschland kann zur Absicherung sinnvoll sein.
Gerade bei jungen Katzen (unter 6 Monaten) können mütterliche Antikörper zu falsch-positiven Testergebnissenführen.

Können FIV- oder FeLV-positive Katzen vermittelt werden?
Ja – auf jeden Fall!
Mit der richtigen Haltung, Fürsorge und regelmäßiger tierärztlicher Betreuung können FIV- oder FeLV-positive Katzen ein glückliches und langes Leben führen.
Vermittlungsmöglichkeiten:
- FIV-positive Katzen: Einzelhaltung oder Zusammenleben mit anderen friedlichen, ebenfalls FIV-positiven oder sozialen negativen Katzen möglich.
- FeLV-positive Katzen: Idealerweise zu anderen FeLV-positiven Katzen oder als Einzelkatze in Wohnungshaltung mit gesichertem Balkon/Garten.
Warum wir über positive Tests nicht schweigen
Wir wissen, dass viele Menschen zunächst verunsichert sind, wenn sie „FIV“ oder „FeLV“ hören. Aber: Aufklärung schützt vor Vorurteilen.
FIV und FeLV sind nicht sofortige Todesurteile, sondern chronische Erkrankungen mit sehr unterschiedlichem Verlauf. Sie verdienen Verständnis, nicht Ablehnung – und Katzen mit positiven Tests verdienen genauso ein liebevolles Zuhause wie alle anderen.

Fazit: Unsere Verantwortung – eure Entscheidung
Wir wollen, dass jede Adoption eine bewusste Entscheidung ist. Deshalb informieren wir ehrlich über den Gesundheitszustand unserer Schützlinge und begleiten euch gern bei allen Fragen rund um FIV und FeLV.
Bei Interesse an einer FIV- oder FeLV-positiven Katze beraten wir euch individuell und realistisch – denn viele von ihnen sind nicht nur besonders pflegeleicht, sondern auch besonders liebenswürdig.