Das öffentliche Shelter von Arta – ein Ort der Hoffnungslosigkeit

Vor Blicken geschützt, von außen nicht zu erkennen durch ein hohes Tor und grüne Planen. Auch wir sind erst vorbeigefahren, aber als wir vor Ort stehen, schlägt uns schon der scharfe Ammoniakgeruch entgegen. Hinter dem Tor hören wir die armen Hunde heulen. Während wir hier stehen, werden gerade Zwinger mit Wasser ausgespritzt und der Dreck läuft unter dem Tor durch auf die Straße. Wir befinden uns in Westgriechenland, vor dem öffentlichen Shelter in Arta. Heute haben wir eine Genehmigung, hier Fotos und Videos zu machen.

Hinter den Kulissen

Wir treffen uns hier heute mit Katerina, einer engagierten Tierschützerin aus Arta. Sie kommt mehrmals die Woche hierher, schaut ein bisschen nach dem Rechten und hilft Hunden zu einem neuen Zuhause. Ihre Bitte um Unterstützung hat uns zutiefst berührt und wir sind entschlossen, ebenfalls einen Beitrag zu leisten, indem wir Hunde nach Deutschland vermitteln.

Sobald sich das Tor öffnet, ertönt ein ohrenbetäubendes Gebell, das zwischen den Betonwänden widerhallt. In dem Shelter finden zwischen 70 und 80 Hunde Platz, wobei dieser Platz aus kalten Zwingern mit einer Größe von zwei auf zwei Metern besteht. Manche haben eine Holzhütte, andere nur einen alten Plastikkorb und viele haben einfach nichts außer dem blanken Betonboden.

Wir gehen durch die Zwingerreihen, schauen in traurige Hundeaugen, streicheln hier und dort eine Nase, die uns durch das Gitter entgegengestreckt wird. Die meisten Hunde kommen freundlich ans Gitter, wollen Aufmerksamkeit. Viele bellen und heulen laut, um auf sich aufmerksam zu machen, andere zeigen Verhaltensstörungen und beißen immer wieder ins Gitter oder drehen sich wie verrückt im Kreis.

Es wird schnell klar, dass das Reinigen der Zwinger bereits beendet wurde und man nur die vordere Reihe gemacht hat – hinten sieht es ja keiner. Hier liegen die Hundehütten, Plastikkörbe und die Ecken voller Kot und Haaren. Futterschüsseln gibt es nur in wenigen Zwinger, die anderen bekommen das Futter durch das Gitter geworfen auf den Boden und können es dann zwischen Urin und Dreck heraussuchen –  kein Lebewesen der Welt sollte so leben.

Auch die Wassertröge haben schon lange keine Reinigung mehr erfahren, sie sind schwarz vor Algen und Dreck. Viele Hunde sind verletzt durch die kaputten Gitterstäbe und augenscheinlich krank, abgemagert und mit kahlen Stellen am Körper.

Ein kleiner, weißer Welpe sticht mir direkt ins Auge. Er sitzt allein in seinem Zwinger, seine rosa Haut scheint durch das wenige Fell, das er noch am Körper hat. Sein trauriger Blick geht einem durch Mark und Bein. Und dann sind da noch zwei Mutterhündinnen mit ihren wenigen Wochen alten Welpen. Sie zwängen sich an die Mama, haben sie ja keine kuschelige Decke und liegen auf dem kalten Boden.

Einige Zwinger sind so versteckt im hintersten Eck, dass man sie nahezu übersieht. Dort ist es so dunkel, dass es nicht möglich ist, Fotos zu machen. Hier kommt nie Tageslicht hin – und doch sitzen dort so liebe, tolle Seelen, die immer noch freundlich zu Menschen sind, obwohl sie jeden Tag so eine Qual ertragen müssen. 

Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Hunde alle aggressiv, apathisch oder total verängstigt wären und keinen Kontakt zu Menschen wollen – doch das Gegenteil ist bei den meisten der Fall: Sie springen auf und ab, heulen laut, winseln und wedeln, dass der ganze Körper wackelt. Sie wünschen sich so sehr ein bisschen Aufmerksamkeit. Viele drücken sich an die Gitter, um gekrault zu werden. Wenn man den Zwinger betritt und in die Hocke geht, klettern sie auf den Schoß, verteilen Küsschen ohne Ende und wollen einfach gehalten werden. Es zerbricht einem das Herz, wenn man den traurigen Blick sieht, weil man den Zwinger wieder verlässt – weil man sie zurücklässt.

Wo kommen die Hunde her?

Die meisten Hunde hier im Shelter sind ehemalige Straßenhunde, die eingefangen wurden, weil sie entweder Anwohner störten oder sich an öffentlichen Plätzen aufhielten, die für viele Touristen attraktiv sind und somit das Stadtbild stören. Manche Hunde werden hier aber auch von ihren Besitzern abgegeben, wieder andere werden von griechischen Sommertouristen zurückgelassen, nachdem sie sie als Welpen adoptiert haben.

Ein Mann, der einmal die Woche kommt, um mit einem Hund spazieren zu gehen, erzählte mir, dass, wenn das Tierheim voll ist, etwa 10 Hunde weit hinaus in die Berge gefahren werden, um sie dort auszusetzen. Die wenigsten überleben das – denn dort oben in den Bergen gibt es nichts zu essen und sie haben nie gelernt, sich ihr Futter zu erjagen. Und dann beginnt das Spiel unten in Arta wieder von vorne – neue Straßenhunde werden eingefangen und in einen Zwinger gesteckt.

Eine Chance, hier in Griechenland adoptiert zu werden, haben die Hunde nicht. Die Griechen selbst wollen keinen „dreckigen“ Straßenhund und schon gar keinen großen und schwarzen. Die Griechen lieben kleine, helle Hunde. Katerina findet für manche ein Zuhause in England und wir versuchen, für so viele wie möglich ein Zuhause in Deutschland zu finden.

Unterschied zwischen staatlichen und privaten Sheltern

Staatliche Shelter werden von der Gemeinde verwaltet und gemanagt. Sie haben feste Mitarbeiter, die einen Lohn bekommen, um dort täglich zu arbeiten. Allerdings geht es den Menschen dabei nicht um das Wohl der Tiere, sondern es ist nur ein Job wie jeder andere und mehr ein Tierlager auf Zeit. Niemand bemüht sich hier, dass das Leben der Hunde so angenehm wie möglich gestaltet wird. Es ist ihnen egal, selbst die Tierärztin, die vor Ort ist, steht einfach nur da und schaut zu – für uns unbegreiflich. Es gibt nicht, wie in Deutschland, feste Gassigänger oder gar einen Reinigungsplan. Sie kassieren ihren Lohn, aber machen nur einen Bruchteil ihrer Arbeit. Die meiste Zeit sitzt der Mitarbeiter im Aufenthaltsraum, trinkt Kaffee und hört Radio, während die Hunde in ihrem eigenen Dreck stehen.

Privat geführte Tierheime dagegen werden von Personen gegründet und aufgebaut, denen das Wohl der Tiere wichtig ist. Sie möchten den Tieren eine bessere Zukunft ermöglichen, sie medizinisch versorgen, sozialisieren und dann für sie ein tolles Zuhause finden. Es sind immer Tierschützer, die ein privates Tierheim eröffnen. Man kann dort auch als Freiwillige hingehen, um zu helfen – das geht in staatlichen Tierheimen nicht. Wenn ein Hund im staatlichen Shelter landet, ist er eigentlich verloren.

Was du tun kannst

Verbreite den Artikel, damit mehr Menschen sehen, wie es in Tierheimen im Ausland zugeht. Arta ist dabei keine Ausnahme. Du kannst in jedes beliebige staatliche Shelter gehen, ob in Griechenland, Bulgarien oder Spanien – du wirst nahezu überall die gleichen Zustände sehen. Vielleicht verstehen so mehr Menschen, warum wir uns im Auslandstierschutz engagieren, auch wenn wir oft hören müssen, dass die Tierheime in Deutschland auch voll sind. Ja, überall auf der Welt sind die Tierheime voll. Gäbe es leere Tierheime, würde man sie schließen, da man sie nicht mehr bräuchte. Aber das wird nie geschehen, solange es verantwortungslose Menschen gibt.

Wir werden die Hunde des Shelters von Arta zur Vermittlung ausschreiben. Für diese Hunde sind Pflegestellen sehr wichtig. Auch suchen wir für alle Hunde Namenspaten, denn die Hunde hier in den Zwingern haben nur Nummern. Gegen eine einmalige Spende von 20 € kannst du einen Hund taufen. Schreibe uns dazu einfach an. Und natürlich kannst du einen Hund vom Tierheim adoptieren und ihm ein neues Leben schenken – eine zweite Chance.

Noch in paar Eindrücke vom Shelter:

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