Die griechische Wahrheit (Teil 1)

Woran denkt man, wenn man das Wort „Griechenland“ hört? Azurblaues Meer, Sonne, griechische Küche, Mythologie und Religion, weiße Häuser und das „blaue Auge“ als Talisman. Das waren jedenfalls meine Assoziationen. Ich war auch öfter als Kind in Griechenland, eben in den typischen Touristen Gegenden. Doch wenn man an diesen beliebten Touristenziele vorbeifährt und ins Landesinnere trifft, erfährt man die traurige Wahrheit dieses Landes. Es herrscht generell viel Armut, und überall stehen Häuser und Geschäfte leer, entweder saisonbedingt oder durch die Wirtschaftskrise, die einen demographischen Wandel hervorruft.

Das erste Mal, als ich einen Straßenhund in Griechenland sah, rief ich sofort Lara an. Obwohl ich wusste, was mich erwarten würde (auf dem Weg zu einem griechischen Tierheim), war ich trotzdem sprachlos. Ich hatte sofort den Drang zu helfen, am Liebsten natürlich gleich alle mitzunehmen, aber es wurde schnell klar, wie viele unzählige Hunde ihr normales Leben auf den Schnellstraßen neben Müll und Autos gewohnt waren und einfach weiterschliefen.

Das Beste, was man tun kann, ist sich einen Futtersack zu kaufen und bei den Straßenhunden anzuhalten, um sie zu füttern. Man weiß schließlich nie, wann ihre letzte Mahlzeit war…

Das zweite Mal, als ich nach Thessaloniki flog, war mit mehreren Ereignissen verbunden. Ich brachte all die lieben Spenden von euch zu unseren Tierschützern (der Koffer war so schwer mit Spenden, dass ich sehr einsparen musste mit meinen eigenen Sachen xD ). Vielen Dank nochmal, sie haben sich alle sehr gefreut!

Ich lernte Maria für ein paar Tage kennen, sie wohnt in einem kleinen Dorf, abgeschieden von der Stadt. Maria lebt mit über 50 Katzen und 8 Hunden zusammen. In ihrem kleinen (sehr bescheidenen Haus) war total viel Aktion, kein Wunder. Man denkt sich, warum hat sie so viele Tiere und vor allem so viele Kosten und ist dringend auf Hilfe angewiesen?

Jedes einzelne Tier kommt mit einer unglaublich tragischen Geschichte zu ihr. Die Einheimischen sagen: Entweder liebt man die Straßentiere oder man hasst sie. Mir fiel es schwer, all diese Grausamkeiten zu verdauen, vor allem überhaupt zu verstehen, wie man als Mensch dazu in der Lage ist. Einen Hund auf den Kopf zu schlagen, sodass er erblindet und ihn dann ins Meer werfen? Oder eine Katze komplett paralysiert auf einer Toilette am Boden liegen zu lassen? Einen schweren Stein dem Hund anzubinden, um ihn zu ertränken? Katzen in einer Tüte in den Müll schmeißen? Oder „nur“ die Tiere angekettet auf einem einsamen Grundstück zurücklassen? Es fehlen einem wirklich die Worte dazu!

(Dieser schüchtere Straßenjunghund sucht auch nach einem zu Hause)

Unsere Tierschützerin Maria fährt auch nur zu bestimmten Tierärzten, denen sie vertrauen kann. Andere lassen verletzte Tiere noch nicht mal einschläfern, um Kosten zu sparen oder geben die Empfehlung, die gelähmten und angefahrenen Tiere doch einfach wieder dorthin zu bringen, wo man sie fand.

(Dieser liebevolle Straßenhund steht auch zur Adoption)

Maria fährt alle zwei Tage einen Radius von 60 km ab, um Straßenhunde zu füttern. Dafür muss sie zwei 20 Kilo Säcke Futter kaufen (= 40 €) und das von einem monatlichen Gehalt von ca. 750 €. Dazu kommen die Spritkosten (ca. 300 € im Monat), da sie nicht nur die Straßenhunde füttert, sondern auch zur Arbeit fährt und nebenbei noch ständig eins ihrer Hunde oder Katzen zum Tierarzt fahren muss. Oder natürlich welche, die sie ausgesetzt findet oder Anrufe bekommt, dass ihre Hilfe für Tiere erwünscht ist. Manchmal hilft sie Freunden im Urlaub aus und fährt zu deren zu Hause, um auch dort für die Haustiere zu sorgen.

Natürlich kommen noch alltägliche Besorgungen dazu und vor allem das Futter und die Medikamente, die ihre Fellfreunde benötigen. Ach ja, und hatte ich bereits erwähnt, dass sie so oft es geht auch Straßenhunde kastrieren lässt? (ca. 80 € pro Hund und 60 € pro Katze). Wer jetzt einmal im Kopf rechnet, wie viel da eigentlich übrig bleibt, wundert sich bestimmt, dass sie Rechnung im Leben nicht aufgehen kann.

(Mehr dazu im Teil 2)

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